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Pfarrbrief St. Michael
Gruß aus der Hundehütte

 

Gruß aus der Hundehütte

Hallo! Bevor das Jahr zu Ende ist, wollte ich mich bei euch noch einmal melden. Stellt Euch vor, im Herbst bekam ich unerwarteten Besuch. An einem schönen Samstagnachmittag lag ich im Pfarrgarten. Ich wollte mich ein wenig ausruhen. neben mir stand mein Napf mit Wasser. die Leckerlis hatte ich leider alle schon aufgegessen. Ich schlief ein und träumte, dass die Blätter, die von dem großen Baum fielen, in Wirklichkeit Würstchen waren.

Auf einmal wurde ich wach. Ich hörte ein ungewöhnliches Geräusch: Ein leises schlupp … schlupp … schlupp! Das wollte gar nicht aufhören: Schlupp … schlupp … schlupp!

Zuerst schaute ich zu den Bäumen hinauf. Aber dort war nichts. Dann schaute ich nach links. Auch dort war nichts. Dann schaute ich nach rechts und traute meinen Augen kaum. Ein kleines braunes Irgendetwas stand da und schlabberte Wasser aus meinem Napf!

Ich lag sprachlos da und konnte nur staunen. Das Irgendetwas schüttelte die letzten Wassertropfen von seiner Nase und sagte: „Köstlich, das Münchner Leitungswasser! Fast so gut wie das Adelholzener! Vergelt’s Gott! Servus!“ Es machte eine kleine Verneigung und lief direkt an meiner Nase vorbei.

Das hatte ich noch nie erlebt, dass jemand aus meinem Napf Wasser trinkt. Ich stand auf und trottete dem Irgendetwas nach. Was für ein Tier war das überhaupt?

Die Sache wurde noch komischer, als ich begann, das Irgendetwas zu beschnuppern. Auf einmal verschwanden seine Beine und seine Nase. Vor mir lag eine runde, stachelige Kugel. „Autsch!“ Schon hatte mich ein Stachel gepiekst. Aber ich wurde umso neugieriger. Ich versuchte mit meiner Pfote, die Kugel zu rollen. „Autsch!“ Schon wieder hatte mich ein Stachel gepiekst – diesmal in die Pfote.

„’Tschuldigung“, sagte die Kugel. „Ich wollte dich nicht verletzen. Schließlich habe ich dein Wasser getrunken.“

Ich sagte nichts, ich staunte nur, wie aus der stacheligen Kugel ein kleines Tier wurde.

„Ich bin Fred“, sagte er. „Ich bin ein Igel und suche ein Quartier für den Winter. Wir Igel schlafen nämlich, wenn es draußen sehr kalt wird. Du hast einen so schönen, großen Garten. Und hier liegen so viele Blätterhaufen. In einem davon könnte ich doch wohnen? Es ist nämlich gar nicht so einfach, in der Großstadt ein Winterquartier zu finden.“

„Klar, du kannst in einem der Blätterhaufen wohnen“, sagte ich. „Das ist überhaupt kein Problem. Aber was wirst du essen?“

„Ach, weißt du, im Winter essen wir Igel nichts. Wir schlafen nur.“

„Was für ein langweiliges Leben“, dachte ich mir – „keine Leckerlis, keine Würstchen, nur schlafen? Das wäre nichts für mich!“ Aber das sagte ich Fred nicht. Ich führte ihn zu einem großen Blätterhaufen und fragte: „Wäre der für dich in Ordnung?“

Fred war begeistert. „Das ist der tollste Blätterhaufen, in dem ich je gewohnt habe!“

Eine Zeit lang habe ich Fred noch gesehen. Jetzt, da die Tage kürzer sind, schläft er und wartet auf den Frühling. Ich gehe jeden Tag an seinem Blätterhaufen vorbei und schaue, dass alles in Ordnung ist.

Bald ist Weihnachten. Ein bisschen erinnert mich Fred an die Weihnachtsgeschichte. Auch Maria und Joseph suchten eine Herberge, aber niemand wollte ihnen Unterschlupf geben. Schließlich trafen sie einen netten Mann, der sagte: „Mein Haus ist schon voll, es sind zurzeit so viele Leute in Bethlehem. Aber wenn Ihr wollt, könnt Ihr im Stall schlafen.“ Und so wurde Jesus in einem Stall in Bethlehem geboren.

Übrigens: Der Name Fred bedeutet „Frieden“. Das passt doch perfekt zur Weihnachtszeit. Denn als Jesus geboren war, riefen die Engel in Bethlehem: „Friede auf Erden!“ Ich hoffe, dass ihr auch dieses Jahr zahlreich in die Kirche kommt, um diese Worte, „Friede auf Erden!“, am Heiligen Abend zu hören. Ich wünsche Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Um eine Kleinigkeit möchte ich Euch noch bitten: Solltet Ihr am Pfarrgarten vorbeikommen, dann seid doch bitte etwas leiser als sonst. Denn schließlich wollen wir doch nicht, dass Fred wach wird.

Eure Schafra