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Am
8. Mai 1693 gründete Kurfürst Josef Clemens die Bruderschaft des hl.
Erzengels und Himmelsfürsten Michael. Die Verehrung des hl. Michael spielte
nicht nur für das Haus Wittelsbach und seine Politik eine große Rolle,
sondern auch für die Bevölkerung in der Zeit vor der Aufklärung. Schrecken
der Kriege, frühes Sterben der Frauen im Kindbett, unerklärliche
Krankheiten, unberechenbare Obrigkeiten waren buchstäblich Höllenängste, die
die Menschen plagten. Die Menschen suchten Schutz und fanden sie in den
kirchlichen Gnadenschätzen (im Sakramenten-Empfang, in Ablässen,
Prozessionen und v.a.m.). In der Gestalt des hl. Michael erfuhren sie Hilfe
bis in den Tod. In ihrer Blütezeit hatte die Bruderschaft bis zu 100.000
Mitglieder und ca. 50 Filialen in Bayern, Österreich und dem Rheinland.
Welche Bedeutung diese Bruderschaft für das bayerische Herrscherhaus hatte,
zeigt das Eröffnungszeremoniell, an dem 62 vorwiegend aus dem Hochadel
stammende Persönlichkeiten teilnahmen. Anfang des 18. Jahrhunderts gehörte
das gesamte bayerische Herrscherhaus dieser Bruderschaft an. Die adeligen
Mitglieder wurden in einem von den Kölner Kurfürsten Joseph Clemens und
Clemens August angelegten Fürstenbuch geführt, das teilweise erhalten blieb
und 1988 wieder entdeckt wurde. Der erste Präses war Fortunatus Hueber, ein
hochgebildeter Franziskaner und zeitweiliger Provinzialoberer des Ordens.
Die Franziskaner hatten bis zur Säkularisation die geistliche Betreuung
dieses Ordens inne. Auf die Fürsprache einer Schwester (Violanta Beatrix)
Max Emmanuels wurde die Bruderschaft durch den Papst Benedikt XIII am 23.
Juli 1725 zur Erzbruderschaft erhoben.
Die Erzbruderschaft hat sich durch die Wirren der letzten Jahrhunderte bis
heute gehalten. Zurzeit erlebt sie eine kleine Blüte mit fast 800
Mitgliedern (über die Grenzen Bayerns hinaus). Viele suchen wieder im hl.
Michael Schutz und Hilfe im Leben und Sterben, die Mitglieder verpflichten
sich zum Gebet, sie geloben sich dem hl. Michael an, getreu den Initialen
auf der Bruderschaftsmedaille, die sie bis zum Tod stets bei sich tragen:
F. P. F. P., das heißt fideliter (getreu), pie (fromm), fortiter (tapfer), perseveranter (ausdauernd).
Wie zur Gründerzeit gibt es festliche Prozessionen und neue Mitglieder werden vornehmlich am Haupt- und Titularfest am Festtag des hl. Michael am 29. September aufgenommen.
1996 bildete sich in Peiting in enger Abstimmung mit der Erzbruderschaft eine neue Michaelsbruderschaft. Der Präses der Erzbruderschaft Pfarrer Leonhard Huber durfte damals die neuen Mitglieder aufnehmen.
Gegen die Unbilden des Lebens, auch gegen den Tod, ist materielle Vorsorge möglich. Viele Menschen glauben daran, dass geistige Schutzmächte den Gefährdungen des Lebens und Sterbens mehr entgegensetzen können als bloße materielle Absicherungen, die das persönliche und gesellschaftliche Leben eher verarmen lassen. So besteht Hoffnung für die Zukunft dieser Erzbruderschaft des hl. Michael.