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Kirchenrenovierung von St. Michael
       - Von der Dachreparatur zur Innenrestaurierung -

Die letzte Gesamtinstandsetzung mit Innenrestaurierung ab 1980 ist noch verhältnismäßig kurze Zeit her. Das erhabene, fast kühn gestaltete Dachwerk gibt allerdings einige Angriffspunkte für Wind und Wetter. Hätte man bei der letzten Gesamtinstandsetzung am Dachwerk nicht gespart, oder weniger Experimente mit neuen Materialien gestattet, und desolate Partien der Dachstuhlkonstruktion traditionell zimmermannsmäßig repariert, wäre heute eine umfangreiche Maßnahme möglicherweise erspart geblieben. Jetzt haben sich jedoch neben zu schließenden punktuellen Dachhautundichtheiten die Beta-Ergänzungen (Holzbeton mit Epoxidharz und Glasfasern) an den Fußpunkten des Dachstuhles als dergestalt kurzlebig und nachteilig für die Kraftschlüssigkeit des Dachstuhles erwiesen, so dass von einer Baufälligkeit desselben und vor allem des Traufgesimses gesprochen werden musste.

Vorgesehen war daraus folgernd - neben der ohnehin anstehenden Westfassadenrestaurierung - "nur" eine Dachwerkinstandsetzung. Dass im Zuge dessen der Einbau eines Schutzgerüstes im Innenraum,als Sicherheit, aber auch zur Abstützung gefährdeter, da wegen Kraftschübe hohl liegender Deckenbildbereiche, notwendig würde, war von Anfang an angenommen worden. Dass allerdings die Dachwerksanierung in eine Innenrestaurierung münden würde, war zunächst nicht vorherzusehen.

Die statischen Sicherungen der Deckenbilder, insbesondere über dem Hochaltar, aber auch im restlichen Presbyterium waren dringlich und nachhaltig erforderlich. Die aufgetretenen Schübe hatten ein Rissebild und Hohlstellen in Putz und damit Malschichtträgern verursacht. Die daher notwendig werdenden Verpressungen und Hinterspritzungen setzten - allein technisch bedingt - in den zubehandelnden Bereichen eine Reinigung der Malereien voraus. Eine Trockenreinigung erwies sich als untauglich, eine Nassreinigung als unabdingbar. Dass ein Deckenbild dieser Qualität, zumal wenn es durch eine schmutzende (mittlerweile ausgetauschte) Heizanlage derart verschwärzt ist, nicht nur punktuell gereinigt werden kann, dürfte verständlich sein. Es kommt dazu, dass ein hoher Anteil leichtaktivierbaren mikrobiologischen Befalls festgestellt wurde, der für sich genommen schon ein Problem darstellt. So ergab sich schon bald die Erkenntnis; dass kein Weg um eine vollständige Reinigung der herausragenden Deckenbilder führen kann. Spätestens mit einer Nassreinigung, insbesondere aber bei punktuellen Behandlungen mit Ammoniumkarbonat werden allerdings die Retuschen der letzten Restaurierung abgenommen, was auch eine Neuretusche (also eine optische Schließung der Fehlstellen) der Deckenbilder erforderlich macht.

Jeder, der auf dem Gerüst stand, erkannte ausnahmslos, dass man mit dieser Reinigung der Kuppelgemälde hinsichtlich der Behandlung von Stukkaturen und Wänden in Zugzwang kommen würde. Auch hier tat die Heizanlage ganze Arbeit, eine dicke Staub- und Rußschicht liegt auf den Vorsprüngen und plastischen Ornamenten. Den Schmutz zu belassen brächte die schon mittelfristige Gefahr der Versinterung auf den Oberflächen mit sich. Es setzte sich die Auffassung durch, dass man das ohnehin stehende, höchst aufwendige Gerüst - woraus sich ein Synergieeffekt anböte - auch hierfür eine Reinigung nicht ungenutzt lassen wolle.

Die bereits zu Beginn der Gerüststandzeit eingeleitete Orientierungsbefundung erbrachte die Erkenntnis, dass die originale Farbigkeit bei der letzten Restaurierung grundsätzlich gut getroffen war;bis auf Nuancen, und bis auf die Farbbrillanz und Farbtiefe. Die 80er Jahre verzichteten offenbar bewusst auf die Wiederherstellung des Kolorites ist der angestammten Leuchtkraft der Farbigkeit.

Ein nächster Schritt in Richtung der Eingrenzung einer restauratorischen Maßnahme an Wand und Stukkaturen waren Musterflächen der Reinigung. Eine maschinell gestützte Variante stand gegen die händische Vorgehensweise. Die maschinell gestützte Trockenreinigungsvariante(Luftstrahlkompression mit Silikonkautschukgranulaten), die zunächst zwar geringeren Aufwand versprach, würde die Stuckhöhungen reduzieren, und müsste auf jeden Fall in plastischen Stuckbereichen und Rücklagen eine händische Nachbearbeitung nach sich ziehen. Da summa summarum der Betreibungs-, Reinigungs- und Nachbearbeitungsaufwand der maschinellen Variante nicht unerheblich wäre, wurde der maschinengestützte Ansatz verworfen zugunsten der letztendlich nur geringfügig aufwendigeren, traditionellen und ohnehin qualitätvolleren händischen Reinigung.

Doch auch diese Muster einer Reinigung allein konnten nur bedingt überzeugen. Eine Fleckig- und Unregelmäßigkeit und weitere deutliche Sichtbarkeit von Rissen konnte nicht ausgeschlossen werden. Der punktuelle restauratorische Eingriff an Stuck und marmorierten Partien wurde als notwendig erachtet. Bis zur Erkenntnis der unabdingbar notwendigen Tünche einzelner Wandbereiche war es nur ein kleiner Schritt.

Als Ergebnis der die Dachwerksanierung begleitenden Untersuchungen standen am Ende nur noch zwei Möglichkeiten zur Debatte:

a) Eine Reinigung der Situation der 80er Jahre (Deckenbilder, Raumschale, Ausstattung) auf hohem Niveau mit verhältnismäßig hohem Kostenaufwand, bei Gefahr punktueller Fleckigkeiten, unter Inkaufnahme der höheren Gefahr einer relativ frühzeitigen neuerlichen Innenrestaurierung, verbunden mit der Gewissheit, nur das Erscheinungsbild der 80er Jahre zu wiederholen.

b) Eine systematische Innenrestaurierung: Reinigung und Restaurierung der Deckenbilder, zum Teil mit Ammoniumkarbonat, zur neuerlichen Erreichung der Strahlkraft der Entstehungszeit, Neuretusche der Deckenbilder; Reinigung und Neufassung von Stuck und Raumschale gemäß Befund auf der Basis des heutigen Kenntnisstandes zum Kolorit, unter Einbeziehung einzelner originaler, retuschierter Farbpartien. In dieser Variante würde von einer höheren Nachhaltigkeit der Restaurierung ausgegangen, die Wahrscheinlichkeit einer baldigen neuerlichen Innenrestaurierung gilt als verhältnismäßig gering. Letzteres ist gerade in dieser Kirche wichtig, da hier der Aufwand des Gerüstbaus erheblich ist.

Die Erzbischöfliche Bau- und Kunstkommission hat sich nach eingehender fachlicher Beratung und nach Ortseinsicht für Variante b), für die Gesamtinstandsetzung mit systematischer Innenrestaurierung entschieden, so dass ab Herbst 2004 eine systematische Innenrestaurierung der Kirche mit dem Ziel, dem Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts so nahe als möglich zu kommen, durchgeführt wird.

Dr. Hans Rohrmann - Erzbischöfliches Kunstreferat
(Auszug aus einem Beitrag für die Zeitschrift .Das Münster")